Ganz gleich, ob neue Mietwohnung oder Eigenheim, ob man innerhalb seines Stadtviertels umzieht oder quer durch Deutschland: Jeder Wechsel bedeutet für das Alltagsleben einen empfindlichen Bruch. Umgangssprachlich nennen wir es „Einlebephase“, tatsächlich verbergen sich hinter diesem Euphemismus jedoch stressige Tage und Wochen, die daraus entstehen, dass man sich an so viel Neues gewöhnen muss. Doch indem man die Probleme vorher beseitigt, kann man diese Zeit auf ein Minimum verkürzen.

1. Versorger

Das mit Abstand größte Gewicht hat dabei der Faktor Versorgung. Praktisch kaum eine Immobilie kann bestehen, ohne dass von außen Dinge zugeliefert werden:

  • Wasser
  • Brennstoffversorgung
  • Strom
  • Fernsehen
  • Telefon
  • Post
  • Internet
  • Zeitung

Das Problem an diesen acht Punkten ist jedoch , dass es in Deutschland nur ein Anrecht auf eine Grundversorgung für die ersten drei Punkte gibt. Es muss also beispielsweise Erdgas ebenso fließen wie Frischwasser und auch Strom. Zum „Leben“ mag das ausreichen. Doch wer seine ersten Tage in der neuen Behausung nur auf den dunklen Bildschirm starren kann, wer seine Morgennachrichten im Radio hören muss, statt sie auf Tablet oder Papier zu lesen, muss sich im Gegensatz zu seiner vorherigen Wohnung massiv einschränken. Und das stört, denn der Mensch ist ein Gewohnheitstier.

Aus diesem Grunde kann man nur raten, all diese Versorgerverträge rechtzeitig (d.h. mind. 4 Wochen vor Umzug) abzuschließen bzw. abzuändern. Das Optimum wäre es, wenn am ersten Tag in der neuen Immobilie nicht bloß Strom, Wasser und Gas fließen, sondern ebenso Tageszeitung und Post im Briefkasten liegen, das Handy sich mit dem WLAN verbindet und man nur noch den Kabel-Stecker in den Fernseher einführen muss. Doch das gehört nicht zu den Aufgaben des Maklers, hier sind Mieter bzw. Haus-Neubesitzer selbst gefragt. Bei Mietwohnungen kann es helfen, bei der Vertragsunterzeichnung mit dem Altmieter bzw. der Hausverwaltung zu sprechen. Mithilfe der so erfragten Vormieterdaten können Anschlussumstellungen häufig ohne Techniker auf administrativer Ebene vollzogen werden – und funktionieren so viel reibungsloser.

Bei Neubauten indes sollte man, sobald Straßenname und Hausnummer bekannt sind (steht in der Flurkarte) ebenfalls noch während der Bauphase alle Versorgungsanschlüsse, samt vorausberechnetem Einzugsdatum, vor-terminieren – und auch bei der Abo-Zentrale der Tageszeitung seine dann neue Adresse angeben.

Zähler Verbrauch Immobilie
Etwaige Verbrauchsangaben von Vorbesitzern/-mietern sollte man mit viel Vorsicht genießen und nur als Vergleichsbasis heranziehen.

2. Verbräuche

Wer einige Jahre in einer Immobilie verbracht hat, weiß buchstäblich, wie diese sich verhält. Weiß, wie viel Wasser man verbraucht, wie viel Gas man in einem durchschnittlichen Winter benötigt, welche Stromverbräuche zu erwarten sind.

Ganz im Gegensatz zu einer neuen Immobilie. Hier weiß man – prinzipiell – gar nichts. Und selbst das, was man vielleicht erfragen kann (etwa beim Vormieter) taugt bestenfalls als grober Richtwert, dem man nicht allzu viel Bedeutung beimessen sollte. Denn jeder Mensch, jede Familie, hat ein anderes Wohnverhalten. Das entsteht schon alleine aus der Anzahl und den Lebensrealitäten der Bewohner: Wo zuvor zwei Eltern und ein Kind lebten, kann ein kinderloses Paar die angegebenen Verbräuche kaum auf sich übertragen. Wo ein Schichtarbeiter stark abweichende Stromverbräuche verursachte, kann man dessen Werte ebenfalls kaum verwenden. Hinzu kommen noch persönliche Verhaltensweisen – vielleicht ist das, was der Vorbesitzer als Wohlfühltemperatur definierte, für einen selbst viel zu kalt. Und bei einem Neubau gibt es auch schlicht keine Erfahrungswerte.

Das bedeutet jedoch, dass man, um böse Überraschungen auf der ersten Jahresabrechnung zu vermeiden, anders an die Sache herangehen muss.

  • Gasverbräuche lassen sich auf unterschiedliche Weise abschätzen. Darunter die Wohnfläche (Faustregel: 160kWh pro Quadratmeter und Jahr) und die Einwohnerzahl (2500-5000kWh pro Jahr). Dies gilt allerdings nur, falls nicht mit Gas gekocht wird.
  • Für Wasserverbräuche gibt es eine Faustregel: Pro Person und Tag zwischen 100 und 120 Liter (0,10-0,12m³).
  • Heizungsüberraschungen lassen sich auch vermeiden, indem man sich an die Empfehlungen des Umweltbundesamtes hält: Wohnräume 20°C, Küche 18°C, Schlafzimmer 17°C, Bad 16°C, sonstige Räume (Diele usw.) 15°C.
  • Um den Stromverbrauch anzunähern, kann man folgende Formel anwenden: (Wohnfläche m² x 9kWh) + (Personenzahl x 200kWh) + (Anzahl Haushaltsgeräte x 200kWh). Für einen Dreipersonenhaushalt ohne elektrische Warmwasserbereitung sollte dabei ein Wert um 3200kWh jährlich herauskommen.

Was man allerdings nicht tun sollte, ist, sich im Gegensatz zur vorherigen Immobilie übermäßig sparsam zu verhalten, das kann die Ergebnisse verfälschen.

Küche Einrichtung Immobilie Wohnen
Was in der alten Küche „mittlere Reihe obere Schublade“ war, sollte es nach Möglichkeit auch in der neuen sein. Solche Routinen liebt unser Geist.

3. Arbeitsabläufe

In seiner alten Immobilie hat man sich an gewisse Abläufe gewöhnt: Die Teller befanden sich im ganz linken Hängeschrank, der Dielen-Lichtschalter rechts hinter der Haustür. Gerade diese vermeintlichen Kleinigkeiten sind es, die in das Unterbewusstsein eindringen und dafür sorgen, dass man noch lange nach dem Einzug falsche Türen öffnet oder nach imaginären Schaltern greift.

Die einzige Lösung ist es, so wenig in der neuen Immobilie zu ändern, wie möglich – im Rahmen der architektonischen Möglichkeiten. Die neue Küchenzeile, auch wenn sie vielleicht größer ist, sollte man zumindest nach ähnlichen Layout-Gesichtspunkten einräumen – höchstens abgeändert um einige generelle Ordnungs-Verbesserungen. Gleiches gilt für Kleiderschränke, Schubladenschränkchen usw.

Gegen das Tür- und Lichtschalter-Dilemma kann man indes nur wenig tun, da muss das Gehirn einfach umlernen. Aber man kann es erleichtern, indem man auf den Nachttisch eine Taschenlampe legt und nicht darauf vertraut, im Halbschlaf alles wie gewohnt zu finden. Und: Nach dem Einzug sollte man mindestens eine Woche Urlaub einplanen, um sich ausschließlich der Eingewöhnung zu widmen.

4. Die Umgebung

Die bisherigen Tipps gelten unabhängig vom neuen Wohnumfeld. Dieser Punkt gilt jedoch explizit nur dann, wenn die neue Immobilie sich weit vom bisherigen Wohnort befindet.

Denn von Zeit und Strecke, die einen künftig für den Arbeitsweg erwarten bis hin zu Geschäften, Arztpraxen usw. wird man in einer fernab liegenden neuen Immobilie auch sein Umfeld völlig neu kennenlernen müssen. Die wichtigste Grundregel dabei lautet, alles so langfristig und häufig wie möglich vor dem Einzug herauszufinden, durchzuplanen, abzufahren – umso einfacher wird es.

  • Bei der Kommunalverwaltung sollte man sich eine Übersichtskarte des neuen Wohnortes besorgen. Meistens gibt es diese kostenlos.
  • Dann geht man auf die Karten-Anwendung von Google und gibt dort als Suchbegriff ein „(neuer) Wohnort + Supermarkt“, „Wohnort + Arzt“ usw. Google zeigt einem dann im Großraum das Gewünschte an – welches man einfach mit unterschiedlichen Farbstiften in die Papierkarte überträgt.
  • Potenzielle Staustrecken und -zeiten kann man bei den Arbeitskollegen und neuen Nachbarn erfragen.
  • In den Wochen vor dem Umzug sollte man mehrfach und vor allem zur passenden Tageszeit den Arbeitsweg abfahren und dabei die Stoppuhr auf dem Smartphone mitlaufen lassen. Damit bekommt man einen guten Indikator, wann man morgens das Haus verlassen muss.

Übrigens sollte man sich vor dem Umzug auch schon für einen neuen Hausarzt – als medizinische Basisversorgung – entscheiden. Gerade in ländlichen Gebieten ist das nämlich gar nicht so einfach, weil dort ob des Ärztemangels in vielen Praxen Annahmestopp herrscht.

Neue Einrichtung Immobilie Wohnen
So schick die nüchtern-leere Neu-Immobilie auch ist, zum Heim wird sie erst, wenn man den unpersönlichen Hotelzimmer-Charme durch Personalisieren beseitigt.

5. Sonstiges

Neben den bisherigen fakten-basierten Punkten gibt es auch noch die Gefühlsbasis, die ebenso zum Einleben dazugehört. Auch dabei kann man vieles selbst beitragen:

  • Schon so früh wie möglich mit den unmittelbaren Nachbarn anbandeln. Ggf. in Form einer kleinen Einzugsfeier.
  • Die Immobilie schnell personalisieren. Etwa mit persönlichen Fotos, Urlaubsmitbringseln usw. Keinesfalls diesen neutral-brandneuen „Musterhaus-Status“ beibehalten.
  • Beim Einzug so schnell wie möglich vorgehen. Nicht noch wochenlang „aus dem Karton leben“. Falls etwas im Alltag nicht funktioniert, kann man immer noch umstellen/-räumen.
  • Sich nicht einigeln, sondern aktiv die nähere Umgebung der neuen Immobilie erkunden.
  • Nach Möglichkeit alle Routinen, die man in der alten Wohnung hatte, auch in der neuen Immobilie beibehalten.
  • Sich etwas gönnen, das für die alte Wohnung immer zu teuer/groß/unpassend war.

Wenn man all diese Tipps beherzigt, verkürzt sich die Eingewöhnungsphase signifikant. Allerdings: Wunder sollte man keine erwarten. Vier bis sechs Wochen braucht der Mensch mindestens, um sich an eine neue Umgebung zu gewöhnen.

Dieser Artikel entstand in Kooperation mit dem externen Redakteur Alexander Bohm.

Bildquellen:
© Robert Kneschke / fotolia.com
© zabanski / fotolia.com
© ArchiVIZ / fotolia.com
© Dariusz Jarzabek / fotolia.com

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am Blog und getaggt , .

Veröffentlicht am: 25.01.2018 | Autor: Julius Hagen

Ein Kommentar zu “Neue Immobilie: So kehrt der Alltag rasch und reibungslos zurück
  1. Udo sagt:

    Wieder ein großes Lob für die tolle Zusammenfassung! Diesen Artikel werden wir gerne unseren Käufern empfehlen! Dank dafür

    Udo Roth / Immobilienmakler Freiburg

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.