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Von wem darf das Grundbuch eingesehen werden ?

Potenzielle Kaufinteressenten erwarten häufig, dass ihnen der Eigentümer einen Grundbuchauszug vorlegt. So können sie sich vergewissern, wem das Grundstück gehört, ob es belastet ist und wie hoch die Grundschulden sind. Wenn Sie eine Immobilie verkaufen möchten, ist es demzufolge sinnvoll, entsprechende Vorbereitungen zu treffen. „Fremden“ Personen ist die Einsicht in das Grundbuch nicht ohne Weiteres gestattet.

Bei der notariellen Beurkundung des Kaufvertrages dürfen die damit beauftragten Notare das Grundbuch einsehen, was heute problemlos elektronisch möglich ist. Trotzdem ist es zu empfehlen, dass Hausverkäufer bereits im Vorfeld einen aktuellen Grundbuchauszug haben.

Die Führung des Grundbuchs erfolgt bei den Amtsgerichten

Wer vor dem Immobilienverkauf Einsicht in das Grundbuch nehmen möchte, oder aus anderen Gründen einen Grundbuchauszug braucht, geht zum Amtsgericht vor Ort. In vielen Bundesländern erfolgt die Führung der Grundbücher zentral bei einem Amtsgericht für die gesamte Region. Die Einsichtnahme und der Ausdruck eines unbeglaubigten Grundbuchauszugs sind in der Regel beim Amtsgericht vor Ort möglich. Ist zu diesem Zeitpunkt bereits ein Maklervertrag geschlossen, übernimmt der Immobilienmakler die Beschaffung des Grundbuchauszugs. Es ist aber auch möglich, dass Sie eine separate Vollmacht erteilen, ohne bereits einen Maklervertrag zu erteilen.

Einsichtnahme nur bei berechtigtem Interesse

§ 12 der Grundbuchordnung (GBO) sieht vor, dass jede Person, die ein berechtigtes Interesse nachweist, Einsicht in das Grundbuch zu gewähren ist. Dieses berechtigte Interesse liegt immer dann vor, wenn Personen Rechte an einem Grundstück haben. Wer als Eigentümer oder Gläubiger im Grundbuch eingetragen ist, hat demzufolge automatisch auch ein berechtigtes Interesse. Es ist jedoch auch ausreichend, wenn sich aus einer vertragsrechtlichen Situation das nachvollziehbare Interesse an der Einsichtnahme des Grundbuchs ergibt. Das ist zum Beispiel immer dann der Fall, wenn der Käufer einer Immobilie das Objekt im Rahmen einer Finanzierung erwerben will. Die Bank will dann auch Einsicht in das Grundbuch nehmen. Nur wirtschaftliche Interessen ohne direkten Bezug zum Objekt reichen aber nicht.

Der genannte Paragraf der GBO soll verhindern, dass jemand nur aus reiner Neugier Einsicht in das Grundbuch nimmt. Grundstücksnachbarn können demzufolge kein berechtigtes Interesse haben. Auch ein Immobilienmakler, der sich lediglich dafür interessiert, wie die Eigentumsrechte an einem zum Verkauf stehenden Grundstück sind, hat nicht automatisch ein berechtigtes Interesse. Wichtig ist hier immer die Situation. Das nachvollziehbare und berechtigte Interesse ist im Wesentlichen abhängig von der Begründung. Allein die Behauptung, jemand wolle ein Objekt kaufen reicht nicht aus, weil das jeder sagen könnte. Allerdings hat ein Bauunternehmer, der zur Sicherung seiner Forderung die Eintragung einer Sicherungshypothek betreibt, das Recht Einsicht zu nehmen.

Hier steht dem Wunsch eines am Grundstück interessierten Käufers das Recht des Eigentümers gegenüber, nicht jeder x-beliebigen Person sein Eigentum nachweisen zu müssen. Zumal es Fremde nichts angeht, ob und wie hoch ein Grundstück belastet ist.

Die Einsichtnahme in das Grundbuch wird beim Amtsgericht grundsätzlich dokumentiert. Dem Eigentümer wird auf Wunsch auch Auskunft darüber erteilt, wer das Grundbuch eingesehen hat.

Ablauf einer Einsichtnahme

Einsicht begehrende müssen sich an den Rechtspfleger beim Grundbuchamt wenden. Bezweifelt dieser das Interesse, muss dieses entweder nachgewiesen oder glaubhaft dargestellt werden. Die Einsichtnahme in das Grundbuch ist nicht kostenlos. Den Grundbuchauszug gibt es in unbeglaubigter Form, auf Wunsch erfolgt die Aushändigung auch beglaubigt. Wenn der zuständige Rechtspfleger die Einsichtnahme nicht gestattet, ist der Interessent berechtigt, gemäß § 12b IV der Grundbuchordnung schriftlich einen Antrag auf Entscheidung des Grundbuchrichters zu stellen.

Verfahren im elektronischen Grundbuch

Bestimmten Gruppen wie Notaren, Gerichten, Behörden oder öffentlich bestellten Vermessungsingenieuren, ist aufgrund einer besonderen Ermächtigung des § 43 Abs. II der Grundbuchdurchführungsverordnung die Einsichtnahme auch gestattet, ohne dass sie ein berechtigtes Interesse nachweisen. Darüber hinaus haben Personen, die vom Eigentümer zur Einsicht ermächtigt sind, Personen, die ein dingliches Recht am Grundstück haben wie Grundschuldgläubiger oder Personen, die einen vollstreckbaren Titel haben und eine Zwangsvollstreckung gegen den Grundstückeigentümer betreiben, das Recht auf Einsichtnahme. 

Quelle : © Thomas Reimer / Fotolia.com

Veröffentlicht am: | Kategorie: Blog,

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