Gesamthandsgemeinschaft

immoeinfach > immobilienlexikon > gesamthandsgemeinschaft

Die Gesamthandsgemeinschaft ist ein Begriff des Bürgerlichen Rechts (BGB). Sie spielt vornehmlich bei Erbengemeinschaften eine Rolle und hat beim eventuellen Verkauf einer Immobilie erhebliche Auswirkungen. Hinterlässt ein Erblasser mehrere Personen als Erben, bilden diese eine Erbengemeinschaft und werden mit dessen Tode Inhaber des gesamten Vermögens. Der Nachlass wird dabei gemeinschaftliches Vermögen der Erben (§ 1922 BGB). Bei der Erbengemeinschaft handelt es sich folglich um eine Gesamthandsgemeinschaft. Dies hat zur Konsequenz, dass die einzelnen Miterben Gesamthandsberechtigte sind und jedem das ganze Vermögen gehört, allerdings beschränkt durch die Mitberechtigung des jeweils anderen Miterben. Jedem Erben gehören damit zwei Vermögensmassen: Sein Privatvermögen und die gesamthänderische Beteiligung am Nachlass als Sondervermögen. Gehört zum Nachlass eine Immobilie, kann die Erbengemeinschaft nur gemeinsam über die Immobilie verfügen, sie verkaufen, vermieten oder belasten. Der einzelne Miterbe hat kein eigenständiges Recht an der Immobilie.

Zwar ist jeder Miterbe wertmäßig zu einem bestimmten Bruchteil des Nachlasses Erbe. Dies bedeutet aber nur, dass den Miterben bei der Auseinandersetzung ein Geldbetrag im Wert eines bestimmten Bruchteils zusteht. Das BGB kennt neben der Erbengemeinschaft nur noch zwei weitere Gesamthandsgemeinschaften, nämlich die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (§ 718 BGB) und die eheliche Gütergemeinschaft (§ 1416 BGB). Die Besonderheit der Erbengemeinschaft als Gesamthandsgemeinschaft besteht darin, dass sie mit dem Erbfall ohne den Willen der Beteiligten entsteht und regelmäßig auf Auseinandersetzung gerichtet ist. Können sich die Miterben nicht einvernehmlich über das Schicksal der Immobilie verständigen, bleibt in letzter Konsequenz nur die Teilungsversteigerung. Dann wird die Immobilie öffentlich versteigert. Derjenige, der das höchste Gebot abgibt, erhält den Zuschlag und wird neuer Eigentümer der Immobilie. Gleiches gilt, wenn die Immobilie einer BGB-Gesellschaft gehört.

Gehört eine Immobilie jeweils zur Hälfte Eheleuten, besitzen sie die Immobilie in Bruchteilsgemeinschaft. Bei der Bruchteilsgemeinschaft steht im Gegensatz zur Gesamthandsgemeinschaft jedem Miteigentümer ein Recht an einem ideellen Bruchteil an der Immobilie zu (§ 1008 BGB). Jeder Bruchteilseigentümer kann über seinen Anteil verfügen. Theoretisch könnte der Ehepartner seinen Anteil an der Immobilie eigenständig und gegen den Willen des anderen verkaufen. Soweit die Eheleute die Immobilie als Familienwohnhaus nutzen, ist das Verfügungsrecht aber dadurch eingeschränkt, dass jeder Ehepartner auf die Interessen des anderen Rücksicht nehmen muss. Er kann allenfalls verlangen, dass die Gemeinschaft aufgehoben und die Immobilie insgesamt verkauft wird (§ 749 BGB). Ein Verkauf des Bruchteils käme dann in Betracht, wenn infolge der Scheidung ein neuer Lebenspartner die Position des geschiedenen Ehepartners einnehmen wollte.

Sie haben Fragen zum Thema?