Es hat eine Menge Vorteile, unter dem Dach zu leben. Die Abwesenheit an Durchgangsverkehr vor der Wohnungstür etwa, was sich sowohl positiv auf den Geräuschpegel wie die gefühlte Privatsphäre auswirkt. Und natürlich: Auf die Quadratmeterzahl bezogen sind Dachgeschosswohnungen konkurrenzlos günstig. Aber „Das Dach“ stellt seine Bewohner auch vor kompliziertere architektonische Tatsachen wie etwa die vielen schrägen Flächen, die große Hitze im Sommer. Doch für alles gibt es Lösungen.

1. Sitzen

Das Problem an einer Dachschräge ist, dass sie sowohl die Deckenhöhe an sich reduziert, wie sie zusätzlich in den Raum hineinragt. Weil das direkt darunter an der Wand wenig Raum lässt, verfallen viele auf die Idee, dort niedrige Möbelstücke zu positionieren – namentlich Couches, Stühle, Sessel. Prinzipiell ist das auch keine schlechte Idee, wenn man etwas beachtet.

Dazu muss man sich die Aufstehbewegung eines Menschen im Profil visualisieren: Denn man steht nicht nur senkrecht nach oben auf, sondern beugt sich dazu immer auch ein wenig nach vorne. Für die Einrichtung der Dachgeschosswohnung hat das eine ganz besondere Bedeutung, eigentlich sogar mehrere:

  1. Es darf vor dem Sitzenden nichts stehen, was ihn daran hindert, sich nach vorn zu beugen, sonst steigt das Risiko, sich den Kopf anzustoßen.
  2. Was vor dem Sitzenden steht, muss so weit entfernt sein, dass es ihm möglich ist, sich „in den Raum hinein“ zu erheben und nicht nach dem Aufstehen gezwungen zu sein, sich seitlich in halbgeduckter Haltung entlang der Dachschräge zu bewegen.
  3. Das Sitzmöbel selbst muss, je nach Höhe des Kniestocks (der senkrechte Teil der Mauer, bevor die Dachschräge beginnt) und der Dachneigung selbst maximal niedrig gewählt werden.

Für eine Dachgeschossküche wäre es verlockend, eine (Eck-)Bank samt Tisch vor die Schräge zu stellen. Im Alltag wäre sie jedoch unpraktisch. Nicht nur, weil man darauf verhältnismäßig hoch sitzt und deshalb das Anstoßrisiko steigt, sondern, weil man durch den recht hohen, dichtstehenden Küchentisch auch gezwungen wird, in denkbar unbequemer Haltung aufzustehen. Umgekehrt würde die Couch mit einem niedrigen, weit entfernten Couchtisch kaum behindern. Und: Falls es nicht anders geht, muss das Sitzmöbel in den Raum hineingerückt werden. Das kann aber auch Vorteile haben, wie der nächste Punkt zeigt.

Je flacher das Dach und je niedriger der Kniestock, desto mehr Aufmerksamkeit muss einer möglichst geringen Sitzmöbelhöhe gewidmet werden.

2. Verstauen

Ohne Trennwände gäbe es in einer Dachgeschosswohnung prinzipiell nur zwei Wände, die dazu geeignet wären, hohe Regale bzw. Schränke aufzustellen, die Giebel. Selbst unter Einbeziehung der natürlich meist vorhandenen weiteren Innenwände kann das dennoch dazu führen, dass Stauraum fehlt. Allerdings nur, wenn man es auf klassische Art angeht.

  1. Durch in den Raum geschobene Couches kann dahinter Platz geschaffen werden. Wird dieser beispielsweise mit einer selbstgebauten breiten Truhe mit Deckel gefüllt, entsteht staubgeschützter Raum für alles, was nicht häufig benötigt wird.
  2. Von der Stange gibt es zwar keine angewinkelten (Kleider-)Schränke, diese können jedoch relativ leicht selbst gebaut werden und so an einer Wand quer zum Dach stehen.
  3. Lowboards, also sehr niedrige, dafür breite Sideboards, können an Kniestockwänden für enormen Raum sorgen und sehen auch noch gut aus.
  4. Alles, was man häufig benötigt, sollte so weit wie möglich von der Schräge entfernt stehen, damit man sich dafür bücken muss.
  5. Beim Kauf eines Bettes sollte man unbedingt darauf achten, dass darunter Freiraum für Kartons etc. bleibt oder aber gleich Schubladen eingearbeitet sind. Bei einem normalen 180x200cm Doppelbett ergibt das in beiden Fällen enorm viel Platz.
  6. Falls die Wohnung noch vor dem Ausbau mit (Trockenbau-)Wänden steht, sollte überlegt werden, statt dieser auf Raumteiler zu setzen, welche die gleiche Funktion mit mehr Stauraum übernehmen.

Prinzipiell ist auch in einer Dachgeschosswohnung genauso viel Stauraum möglich, wie in jeder klassischen Wohnung. Man muss nur umdenken, muss Wichtiges von weniger Wichtigem räumlich trennen und mehr in die Breite denn die Höhe denken.

3. Hitze

Sobald das Thermometer auch nur die 20°C-Marke knackt, sind es grundsätzlich Dachgeschossbewohner, die am ehesten die negativen Sommer-Seiten zu spüren bekommen. Und während Hitzeperioden kann das Leben dort auch sehr unangenehm werden, weil die Temperaturen auf weit über 30°C steigen – unabhängig von der Außentemperatur. Das liegt an der großen Dachfläche an und für sich, welche vielleicht sogar genau nach Süden geneigt ist. Und es liegt auch daran, dass mehr baulicher Aufwand betrieben werden muss, um ein Dach ebenso Wärme-undurchlässig zu machen wie Mauersteine.

  1. Die Energie-Einsparverordnung verpflichtet Hausbesitzer, entweder Dachboden-böden oder direkt das Dach zu dämmen – letzteres ist Pflicht, wenn der Dachboden beheizt wird, was bei einer Dachgeschosswohnung der Fall ist. Das heißt, auch wenn es ohne Dachdämmung kein Anrecht auf Mietminderung gibt, so ist der Hausbesitzer trotzdem verpflichtet, das Dach adäquat zu dämmen.
  2. Dachfenster sind Einfallstore für Licht und Wärme. Das bedeutet, sie müssen durch eine Kombination mehrerer Verdunklungsmaßnahmen gegen beide Faktoren undurchlässig gemacht werden. Als effektiv haben sich Hitzeschutzmarkisen außen und Verdunkelungsrollos innen bewiesen. Am effizientesten (wenngleich teuersten in der Nachrüstung) sind jedoch „echte“ Rollläden.
  3. Ein mobiles Klimagerät mit Schlauch bringt echte Abkühlung. Für maximale Effizienz sollte der Schlauch jedoch durch einen Rollladeneinsatz in einem der Giebelfenster geführt werden. Das lässt vollständiges Schließen trotz Klimabetrieb zu. Allerdings: Vor dem Einschalten ein Innen- und Außenthermometer miteinander vergleichen. Ist es durch die Sonneneinstrahlung innen heißer, sollte die Wohnung zunächst gut durchgelüftet werden, das spart viel Strom.
  4. Alles, was medial während jeder Hitzewelle kolportiert wird, sollte in einer Dachgeschosswohnung noch genauer befolgt werden. Das bedeutet, morgens zwischen fünf und sieben alle Fenster öffnen und gut durchlüften. Danach alle Fenster sowie Rollos, Markisen usw. schließen.

Kombiniert man diese Maßnahmen noch mit einem oder mehreren Deckenventilatoren (je nach Wohnungsgröße), kann eine sehr effektive Kühlung realisiert werden.

4. Licht

Eine Dachgeschosswohnung, in der sich ausschließlich schräge Dachfenster befinden, wäre kaum dunkler als eine normale Wohnung. Wesentlich häufiger wird jedoch aus stilistischen und wohnlichen Gründen auf ein oder mehrere Gaubenfenster zurückgegriffen. Für die Lichtverhältnisse im Innenraum sind diese jedoch etwas nachteilig, weil jede Gaube seitlich durch die Dachschräge begrenzt wird. Was sich dahinter befindet, insbesondere die Ecken im Kniestock, bleibt dann unbeleuchtet, sodass die gesamte Wohnung etwas dunkler wirkt.

Die Seiten von Dachgauben blockieren leider einen seitlichen Lichteinfall. Die Ecken müssen daher auf andere Weise ausgeleuchtet werden.
  1. Dagegen vorzugehen bedeutet vor allem, in einer Dachgeschosswohnung ausschließlich auf sehr helle Farben sowohl an den Wänden wie auf dem Boden als auch den Möbeln selbst zu setzen. Diese reflektieren das einfallende Licht ungleich besser in alle Richtungen. Es muss nicht weiß sein, aber auch bei bunteren Kolorationen sollte man höchstens auf Pastelltöne setzen.
  2. Deckenlampen alleine wirken aus den gleichen baulichen Gründen im Dachgeschoss nicht so gut. Sie sollten immer durch zusätzliche indirekte Beleuchtungen ergänzt werden. Etwa kleine Warmlicht-LEDs in den Ecken. Das Schalten dieser Lampen kann man sich durch Verwendung von WLAN-Glühbirnen einfacher machen, diese lassen sich per App vom Smartphone aus bedienen, oft auch dimmen und in der Farbe verändern. Architektonisch sehr aufregend sind sogenannte Lichtvouten, Lichtbänder, welche über mehrere Meter entlang natürlicher Fugen zwischen Dach und Wand verlaufen.
  3. Sofern es möglich ist, links und rechts von Dachfenstern keine quer dazu in die Wohnung hineinragenden Schränke platzieren, sondern abermals auf das Raumteiler-Prinzip setzen, welches das Licht nur wenig abschwächt.
  4. Im Winter bei Schneefall sollte man einen Schrubber mit langem Stiel bereithalten, um damit die Dachfenster von innen heraus abkehren zu können. Schon wenige Millimeter Schnee können die Lichteinstrahlung um einen großen Prozentsatz dämpfen und dafür sorgen, dass man während der sowieso schon dunklen Jahreszeit noch mehr beleuchten muss.

Tatsächlich klingt das alles nach wesentlich mehr Einschränkungen, als sie es im Alltag wirklich sind. Natürlich muss man „lernen“, in einer Dachgeschosswohnung zu leben. Aber die Vorteile wiegen diesen Lernaufwand bei weitem auf – spätestens dann, wenn man durchs Fenster über die Dächer der Stadt blicken kann, wo alle „unteren“ Mieter nur das gegenüberliegende Haus erblicken können.

Dieser Artikel entstand in Kooperation mit dem externen Redakteur Eric Beich.

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Veröffentlicht am: 20.08.2018 | Autor: Julius Hagen

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