Was der Mensch sich wünscht und was er braucht, sind oft Zweierlei. Vor die Wahl gestellt, käme es wohl entweder auf ein XXL-Penthouse in der Großstadt oder eine luxuriöse Landvilla hinaus. Weitaus realistischer, vor allem ob der finanziellen Möglichkeiten, ist es jedoch, seine Bedürfnisse am Lebensalter festzumachen. Tatsächlich gibt es dabei zwischen 18 und jenseits der 50 höchst unterschiedliche Schwerpunkte, die man setzen sollte und über die sich letztendlich auch Bauform, Größe und Art der Immobilie definieren, die man bei einem Umzugs-, respektive Bauwunsch im jeweiligen Alter fokussieren sollte.

18 – 29: Wohnung als bevorzugte Wohnform

Die Mitglieder der Y- und Z-Generationen leben mit Hinblick auf den demographischen Wandel, sowie ferner geänderte Verdienstrealitäten anders als vorherige Jugend-Generationen. In Deutschland ziehen junge Menschen heute im Durchschnitt erst mit 23 Jahren aus dem elterlichen Zuhause aus. Eine Zahl, die auch später in diesem Text nochmals Bedeutung erlangen wird.

Natürlich wird auch in diesem Alter schon bei vielen der Wunsch nach einem Eigenheim vorhanden sein. Besonders bei denjenigen, die mit der Größe, Freiheit usw., welche diese Immobilienform mit sich bringt, durchs Elternhaus geprägt wurden. Schon lange wissen Statistiker, dass Land- und Vorstadtkinder aus Einfamilienhaus-Haushalten später am ehesten zur gleichen Wohnform tendieren. Wenngleich der derzeitige Bau-Boom, ausgelöst durch die Niedrigzinsen, auch dazu führte, dass die Generation 25-30, die vor Jahrzehnten noch die meisten Hausbauer stellte, sich heute die Preise nicht mehr leisten kann.

Allerdings ist es in diesem Alter ebenso Tatsache, dass das „Fundament des Lebens“, auf dem man stehen will, noch nicht ausgehärtet ist. Ausbildung, Studium, Partnersuche, Familienplanung werden bei den meisten erst gegen Ende der 20er abgeschlossen sein. So viel kann noch passieren. Dies sollte man damit reflektieren, ausschließlich zur Miete zu wohnen und zwar besser in „beengten Verhältnissen“; angesichts von Berlins steigenden Immobilienpreisen. Das verschlingt Geld, das man bereits in die Abtragung eines Immobilienkredits stecken könnte. Aber sich eine eigene Immobilie zu leisten, die einem dank Jobwechsel etc. vielleicht mittelfristig wie ein Klotz am Bein hängt, wäre schmerzhafter.

Für Twens ist die typische „1-2ZKB“-Mietwohnung in der Stadt die flexibelste Wahl für Ihre Lebensrealitäten.

30 – 39: Haus als familientaugliches Eigenheim

Wenn es einen Personenkreis gibt, der von Baufinanzierern als „Kernzielgruppe“ angesehen wird, dann Ü-30er, U-40er. Die Gründe dafür sind mannigfaltig und haben fast alle demographisch-statistische Tatsachen:

  • Sowohl bei Frauen wie Männern liegt das Alter bei Heirat heute jenseits des 30. Geburtstag. Auch diejenigen, die sich nur „verpartnern“, werden meist erst danach sesshaft.
  • Die unsteten Ausbildungsjahre nun vorbei. Die berufliche Richtung steht fest, erste Karriereschritte wurden getan, man „sitzt fest im Sattel“ und kommt in den Genuss planbarer Gehälter.
  • In allen Bundesländern liegt das mütterliche Durchschnittsalter bei der Geburt des ersten Kindes um die 30, in Berlin gar bei 31,3. Das erste Kind ist für viele der gewichtigste Triebmotor hinter massiven Veränderungen in Sachen Immobilien.

Hier kommt, speziell in Anbetracht der Lebensplanung, als Kauf-Option nur das klassische Einfamilienhaus infrage. Bei der Frage nach der Fläche gelten die guten Regeln der Größenplanung: Zwei dedizierte Kinderzimmer á mindestens 10m², ein Wohnzimmer nicht kleiner als 25m², Elternschlafzimmer maximal 15m². Faustformel: zwei Erwachsene und ein Kind sollten mindestens 90m² haben, pro Kind sollten 10m² hinzukommen. Auch in Sachen Bauform ist das EFH in der anderthalb-/zweistöckigen Bauweise das Nonplusultra. Schon deshalb, weil es den unvermeidlichen Trubel eines Familienlebens mit kleinen Kindern auf mehrere Stockwerke verteilt.

Was die Lage anbelangt, ist dies auch das Alter, in dem man sich problemlos in den ländlichen Bereich verabschieden kann. Junge Familien sind mobil, haben weniger Probleme, alles mit dem Auto erledigen zu müssen. Das Aufwachsen inmitten der Natur hat für die Kids enorme Vorteile.

Falls jedoch gemietet werden soll, dann ist dies nun der Moment, sich zumindest aus dem vibrierenden innerstädtischen Bereich, der während der Jugendjahre noch so viele Vorteile hatte, zu verabschieden. Für das Erziehen eines Kindes gelten nun andere Prioritäten. Etwa (natur-)nahe Erholungsräume aber auch die schlichte Tatsache, dass ein aufzugloses Haus, in das man täglich Familieneinkäufe tragen muss, keine fünf Stockwerke mehr haben sollte.

Wer den Wunsch vom klassischen „Einfamilienhaus im Grünen“ hegt, sollte ihn sich in den 30ern erfüllen. Besser wird die Gelegenheit nicht mehr.

40 – 49: Individuelle Wünsche werden wichtiger

Eigentlich gelten für die Generation Ü-40 die gleichen Voraussetzungen wie für das vorherige Jahrzehnt. Bloß mit dem Passus, dass die Vorteile sich hier nochmals verstärken. Im Job sind Ü-40er Routiniers, sind die Karriereleiter hinaufgeklettert. Partnerschaften sind nun, falls sie Bestand hatten, fest zusammengewachsen und ebenfalls von Sicherheit geprägt.

Auch das sind alles sehr gute Argumente, die zum Bau eines Hauses in diesem Alter raten. Allerdings mit einem feinen, doch wesentlichen Unterschied: Denn obgleich nun monatlich noch mehr Geld zur Abtragung eines Kredits bereitstünde, ob nun vielleicht der Wunsch nach Wohn-Luxus noch ausgeprägter ist, sollte man sich bei der Größe des Hauses viel eher zurückhalten.

Zwar bei Familien aus einem Grund: Wir erinnern uns an die Zahl aus dem ersten Kapitel. 23 Jahre war das Durchschnittsalter beim Auszug. Das bedeutet, eine Familie, in der die Eltern zwar mit statistischen 30 Kinder bekamen, aber vielleicht erst Mitte, Ende 40 ins Eigenheim gehen, hat u.U. mehr als die Hälfte der Zeit hinter sich, in der der Nachwuchs zuhause lebt. Dem Nachwuchs mit dem Argument, dass er in diesem Alter mehr Raum bräuchte, ein XL-Haus zu bauen, wäre die falsche Entscheidung. Denn schon in wenigen Jahren werden diese Kinder das Haus ver- und große, leere Räume hinterlassen.

In diesem Sinne, auch mit Hinblick auf die künftigen Jahrzehnte, wäre ein voll unterkellerter Bungalow, alternativ ein ebensolches, kleineres, anderthalbstöckiges Einfamilienhaus, die beste Variante. Zwar so, dass der Keller als Einliegerwohnung gestaltet wird. Damit bekommt der jugendliche Nachwuchs Platz und Privatsphäre, kann vielleicht sogar schon auf sich gestelltes Wohnen üben. Nach dem Auszug kann man diese Räume problemlos vermieten und zur Einkommensgenerierung verwenden. Zumindest aber hat man im eigentlichen Wohnbereich kein Problem leerer Räume und beim Bungalow durch die bodenebene Bauweise auch noch immense Vorteile in späteren Jahren.

Wer jenseits der 50 baut, sollte sich auf den Bungalow fokussieren. Günstig, gut und von allen Häusern am ehesten altersgerecht.

50 – 59: Barrierefreie Immobilie favorisiert

Wer bis jetzt noch nicht gebaut hat, der sollte sich in den frühen 50ern sputen, sonst bekommt er ein handfestes Problem. Denn obschon es kein Höchstalter für die Gewährung von Immobilienkrediten gibt, sind viele Kreditinstitute ab diesem Alter enorm vorsichtig. Häufig werden dann nur noch sogenannte Volltilgerdarlehen gewährt. Diese müssen bis zur Rente vollständig abgetragen sein. Das bedeutet also für die künftigen anderthalb Jahrzehnte große monatliche Belastungen, ist aber ob der derzeitigen Niedrigzinsphase eine tatsächlich brauchbare Option.

Wer jetzt erst baut, sollte zudem maximal ans Alter denken. Das bedeutet, dass es definitiv kein Haus mehr in ländlicher Abgeschiedenheit sein sollte. Bereits jetzt haben viele Senioren in Dörfern das Problem, dank absterbender Infrastruktur ohne Auto völlig auf verlorenem Posten zu stehen.

Nun kommen die gutversorgten (aber mit hohen Quadratmeterpreisen versehenen), urbanen Wohngürtel wieder in den Fokus. Was im vorherigen Kapitel galt, gilt nun nochmals verstärkt: Wer jenseits der 50 ein Haus baut, sollte nur noch für sich und seinen Partner planen. Alles Weitere lässt sich durch ein Gästezimmer abfedern. Barrierefreies Bauen sollte höchsten Stellenwert bekommen, selbst wenn man es jetzt vielleicht noch nicht benötigt. In zehn, fünfzehn Jahren wird man dankbar sein, dass keine weiteren umfangreichen Umbaumaßnahmen anstehen, dass die Türen breit, die Schwellen nicht vorhanden sind. Das macht das Bauen aber auch preislich attraktiver: Ein kleiner Bungalow ohne Keller gehört mit zu den günstigsten Gebäuden auf dem Markt und ist nebenbei ähnlich leicht sauber zu halten wie eine kleine Mietwohnung.

Apropos Mieten: Falls man das tun möchte, bieten sich nun bereits altersgerechte Wohnkonzepte an. Diese entstehen in vielen Städten und richten sich nur an Alleinstehende oder Paare Ü-50, sind bereits altersgemäß ausgestattet und können einem später von enormem Nutzen sein.

Dieser Artikel entstand in Kooperation mit der externen Redakteurin Christina Nichts.

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Veröffentlicht am: 23.02.2018 | Autor: Julius Hagen

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