Wer sich in Zukunft ein Eigenheim kaufen möchte, sollte sich ein wenig mit der aktuellen Lage auf dem Immobilienmarkt sowie der Entwicklung der nahen Vergangenheit beschäftigen. Außerdem schadet es nicht, sich über Wohnungstrends der Zukunft und innovative Konzepte zu informieren, die sich aufgrund erhöhter Nachfrage und der demographischen Entwicklung sowie der Digitalisierung und Globalisierung durchsetzen könnten.

Das Leben wird flexibler, die Menschen werden älter

Das Leben der meisten Deutschen verläuft heute viel weniger geradlinig, als das, der Menschen vor einigen Jahrzehnten. Grund dafür sind die Globalisierung und die Digitalisierung. Sie zwingen uns förmlich dazu, flexibler zu sein: Wohnorte werden häufiger gewechselt, Jobs veranlassen einen dazu, nur zeitweise an einem Ort zu bleiben und dann weiterzuziehen, die Art des Wohnens beeinflusst den Alltag. All das führt dazu, dass Menschen viel seltener bereit sind, sich für viel Geld teure Immobilien zu leisten. Am liebsten wird gemietet, was nicht selten dazu führt, dass die Immobilienpreise gerade in beliebten Metropolen in die Höhe schießen. Wer dennoch investiert und sich ein Eigenheim leistet, tut das auch am liebsten in einer Großstadt, da hier bessere Möglichkeiten bestehen, unterschiedliche Lebensbereiche funktional miteinander zu kombinieren. Ländliche Regionen leiden unter diesen Entwicklungen – doch dazu an späterer Stelle mehr.

Auch der demographische Wandel verändert die Immobilienwelt: Die Gesellschaft wird, aufgrund einer niedrigen Geburtenrate in Deutschland und einem gleichzeitigen, kontinuierlichen Anstieg der Lebenserwartung sowie einem Rückgang der Sterblichkeit immer älter. Trotz vieler junger Zuwanderer wird der Anteil der über 67-Jährigen diversen Prognosen zufolge im Jahr 2035 von 17,7% (Stand 2017) auf 25,8% gestiegen sein. Als eine der wichtigsten Aufgaben der zukünftigen Gesellschaft wird es gelten, den Älteren unter uns, angemessenen und vor allem ausreichend optimierten Wohnraum zu bieten. Vor allem das Konzept der Barrierefreiheit bestimmt die Immobilienformen für das fortgeschrittene Alter schon ab einem Alter von etwa 50 Jahren. Die Fortbewegung im Alltag und das Erledigen alltäglicher Aufgaben sowie das Erfüllen der täglichen Bedürfnisse soll mittels der damit einhergehenden Maßnahmen erleichtert werden.

Die Lage auf dem Immobilienmarkt

Noch vor etwa einhundert Jahren lebten etwa 70% aller Deutschen in Orten mit nicht einmal 100.000 Einwohnern. Größere Städte fanden sich eher im Westen Deutschlands. Heute sieht es drastisch anders aus: Alleine von 2010 bis 2015 zog, bzw. floh ein Fünftel aller Einwohner schwächer bewohnter Gebiete in größere Städte. So berichtet das Bundesinstitut für Raumforschung mit dem Zusatz, dass ein Ende dieser Entwicklung in näherer Zukunft nicht abzusehen sei. Diese Landflucht also bestimmt den Immobilienmarkt. Woraus aber resultiert sie und welche Folgen ergeben sich für diejenigen, die in diesen Zeiten am Immobilienkauf interessiert sind?

  • Einer der entscheidenden Gründe dafür, dass immer mehr Menschen vom Land in die Stadt ziehen, ist, dass die Bildungsangebote in ländlichen Regionen abnehmen. Neben weniger Schulen gibt es auch weniger soziale Einrichtungen, weniger Clubs, Vereine und öffentliche Orte, an denen vor allem junge Menschen Wissen vermittelt bekommen und einen sozialen Umgang im modernen Zeitalter miteinander erlernen
  • Die Zahl der Studierenden in Deutschland nimmt außerdem immer mehr zu. Im Jahr 2000 waren 1.798.863 Studenten immatrikuliert – 2016 dagegen waren es ganze 2.807.010. Möglichkeiten an Hochschulen, Fachhochschulen und anderen Institutionen zu studieren, sind vor allem in Ballungsgebieten gegeben. Die Nachfrage nach Wohnraum, vor allem nach kleineren Appartementwohnungen oder nach WG-Zimmern nimmt daher natürlich weiterhin zu
  • Auf dem Land gibt es außerdem deutlich weniger Arbeit, als in Großstädten. Sowohl für Alleinstehende, als auch für Familien mit Kindern und für alte Menschen werden Großstädte daher immer attraktiver. Der Wohnraum wird infolgedessen immer knapper, die Preise steigen. Wer heute noch darüber nachdenkt, seinen Kindern eine Wertanlage zu hinterlassen oder sich eine Altersvorsorge zu schaffen, indem er in ein Eigenheim investiert, braucht eine durchdachte Budgetplanung und sollte an einige weitere Dinge denken. Grundsätzlich ist zu empfehlen, neue Wohnkonzepte in den Blick zu nehmen, die oft auch von Kommunen entwickelt werden, um den Bürgern, trotz weniger freier Flächen, einen möglichsten hohen Wohn- und Lebenskomfort zu bieten.

Moderne Wohnkonzepte mit Zukunftspotenzial

Small House Movement/ Tiny Houses

Wie der Name „Small House Movement“ schon erahnen lässt, handelt es sich dabei um eine regelrechte Bewegung von Bewohnern kleiner Häuser. Sie verstehen sich gewissermaßen als Widersacher des kapitalistischen Wachstumsdenkens und Materialismus, der in seiner Konsequenz mehr Konsum und damit auch mehr Platz und letztlich auch Wohnfläche, bzw. Stauraum mit sich bringt. Die rebellierenden Häuschenbauer der Gegenbewegung haben es sich zum Ziel gesetzt, auf möglichst kleinem Raum ein modernes und angenehmes Leben zu führen. Dabei steht auch auf der Agenda, so wenig wie möglich von allem zu verbrauchen: Energie, Wasser, Geld – und damit auch die Umwelt zu schonen.

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Was wie der Innenraum eines großen Wohnwagens aussehen mag, kann in Wahrheit das Zuhause einer ganzen Familie sein.

In Berlin beispielsweise sind die kleinen Häuser keine Seltenheit mehr. Der Architekt Van Bo Le-Mentzel hat gar eine Berliner Tinyhouse University gegründet. Für 4000€ können erfolgreiche Bewerber unter Anleitung ihr eigenes kleines Stadthäuschen bauen. Wer sich mit dem Lebensstil des Verzichts auf Luxus und Komfort durch Weite anfreunden kann, spart mit einem solchen Tiny House im Vergleich zur Mietwohnung oder zum Eigenheim auf Dauer natürlich eine Menge Geld.

Innovative und generationenübergreifende Wohngemeinschaften

Flexiblere Grundrissgestaltungen, die heute von vielen Architekten und Wohnungsplanern vorgenommen werden, erlauben unter anderem das Entwickeln von Konzepten, die sich innovativer Wohngemeinschaften widmen. Das können Modelle wie die Minihäuser nach japanischem Vorbild sein, die an Tiny Houses erinnern, sich aber in einigen Punkten doch unterscheiden. So kommen in den Wohngemeinschaften auf kleinem Raum oft viele Menschen, die sich vorher vielleicht nicht kennen, zusammen, indem sie in Begegnungsräumen, die gemeinschaftlich genutzt werden, sozial interagieren (müssen) und aber auch individuelle Rückzugsräume und eigene Privaträume geboten bekommen. Auch so soll auf kleinstem Raum ein größtmöglicher Lebensstandard erfüllt werden und gleichzeitig der Vereinsamung, die bei vielen Alleinwohnenden in Großstädten heute keine Seltenheit darstellt und mitunter zu schwerwiegenden psychischen Problemen führen kann, entgegengewirkt werden.

Es können aber auch generationsübergreifende Wohngemeinschaften sein, die zum einen auf Barrierefreiheit setzen und die zum anderen die Funktion haben, den Älteren, durch das ständige Kontakthalten mit Jüngeren, möglichst lange eine selbstständige Lebensführung mit mehr Lebensqualität zu ermöglichen. Da von den dafür ergriffenen Maßnahmen – angefangen bei der erwähnten Barrierefreiheit bis hin zu Angeboten zur Selbstversorgung in Wohnprojekten – alle Beteiligten profitieren, könnten sie sich in Zukunft deutlich vermehrt verbreiten.

Green Living

Attraktiv könnten in Zukunft für alle an Immobilien Interessierten auch jene Objekte werden, die sich, oftmals in Großstädten gelegen, dem „grünen Wohnen“ verschrieben haben. Diese oftmals groß abgelegten Häuser oder Gebäudekomplexe sollen die Sehnsucht vieler Großstädter erfüllen, mitten in einer Stadt wohnen und dennoch ständigen Kontakt zur Natur halten zu können. In vielen Fällen werden Dachterrassen angelegt, es finden sich Gärten und grüne Innenhöfe rund um die Gebäude oder von den Terrassen und Balkonen wachsen große Pflanzen oder gar Bäume und verbinden sich mit den Fassaden.

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Begrünte Dächer, Solarpanels und viele Pflanzen und Bäume – das sind wichtige Bestandteile des Green Livings sowohl auf dem Land, als auch mitten in der Großstadt.

Die grünen Wohnprojekte produzieren über ihre Pflanzen nicht nur frischen und gesunden Sauerstoff für die Bewohner und reinigen gleichzeitig die Luft, sie schützen außerdem auch vor Verkehrs- und sonstigem Stadtlärm. Außerdem machen sie optisch eine Menge her und beziehen die Wohnenden automatisch mit in den Zyklus der Jahreszeiten ein, den sie ansonsten, mitten in der Stadt, vielleicht gar nicht so richtig miterleben könnten. Ziele solcher Wohnprojekte sind nicht selten auch eine langfristige Erhöhung der Energieeffizienz durch Isolierungen, Wärmepumpeninstallationen, Solaranlagen usw.

Smart Homes

Denkt man an Smart Homes, kommen einem zunächst Dinge in den Sinn, wie Heizungen und Lichter, die sich selbst einschalten, Kühlschränke, die Lebensmittel ganz von selbst nachbestellen, sobald diese aufgebraucht sind und Tablets in den Wänden, über die sich im Grunde alles im Haus steuern und verwalten lässt. Diese Technologien stellen zwar hilfreiche Ergänzungen zum bisherigen wohnen da, allerdings erleichtern sie den Alltag der Zukunft noch nicht vollkommen. Ab einem gewissen Punkt stößt die Elektronik auf ihre Grenzen. Was dann ins Spiel kommt, sind Wohnkonzepte, die abgestimmt sind auf das Smart Home mit ebensolchen Technologien und gleichzeitig abgestimmt auf den Lebensstil und die sich beispielsweise durch Familienzuwachs verändernden Lebensumstände der Bewohner. Gefragt sind dann beispielsweise Räume und Wohnflächen, die flexibel sind, also sich etwa leicht verändern können, „mitwachsende“ Grundrisse und Technologien, die in der Lage sind, diese Veränderungen zu begreifen, indem sie „lernen“ und sich ebenfalls anpassen.

Dieser Artikel entstand in Kooperation mit der externen Redakteurin Franziska Scherer.

Bildquellen:
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Veröffentlicht am: 30.04.2018 | Autor: Julius Hagen

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