Wer eine Bestandsimmobilie kauft oder eine Modernisierung seines Eigenheims anstrebt, muss sorgfältig abwägen, welche Investitionen sich zur Aufwertung der Immobilie wirklich lohnen und wo Abstriche gemacht werden können. Die Heizungsanlage wirkt sich unmittelbar auf den Immobilienwert aus und ist daher häufig einer der ersten Ansatzpunkte für Instandhaltungs- oder Modernisierungsmaßnahmen. In diesem Zuge rüsten viele Eigentümer von einer Öl- auf eine Gasheizung um. Sie gilt gemeinhin als moderner, günstiger sowie weniger aufwändig im Betrieb. Aber stimmt das überhaupt?

Öl- und Gasheizungen sind in Deutschland weit verbreitet

Nach Feuer, Kohle und der Warmwasserheizung wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Heizung mit fossilen Brennstoffen erfunden. Seither liefern sich Öl und Gas ein Kopf-an-Kopf-Rennen, welches die Gasheizung in letzter Zeit immer häufiger für sich entscheidet. Bislang konnten andere Modelle wie die Fernwärme oder die Wärmepumpe den beiden altbewährten Heizungsarten noch nicht den Rang ablaufen. Diese Heizungsanlagen wurden im Zuge des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg flächendeckend verbaut. Die Ölheizung erfreute sich damals großer Beliebtheit. In vielen Gebäuden sind diese mittlerweile sehr alten Heizungsanlagen nach wie vor in Betrieb. In zahlreichen anderen Gebäuden wurden sie im Laufe der Jahre modernisiert. Doch stellt sich dann für die Eigentümer erneut die Frage, was denn nun besser sei: Öl oder Gas?

Das Pro und Contra der Ölheizung

Ein grundlegendes „Besser“ oder „Schlechter“ gibt es bei dieser Frage nicht. Ansonsten hätte sich wohl schon damals eines der beiden Modelle durchgesetzt und das andere verdrängt. Stattdessen haben beide Heizungsarten ihre spezifischen Vor- und Nachteile. Während also die einen die Ölheizung bevorzugen, plädieren die anderen ganz eindeutig für die Gasheizung.

Lastwagen mit einer ÖllieferungDie Ölheizung bringt auf jeden Fall einige Besonderheiten mit sich: Sie bedarf deutlich mehr Vorausplanung sowie Aufwand als der Betrieb einer Gasheizung. Denn geht das Öl aus, so funktioniert auch die Heizung nicht mehr und gerade im Winter befürchten viele Verbraucher Versorgungsengpässe. Allerdings handelt es sich dabei um eine unbegründete Angst, denn Öl wird über zahlreiche verschiedene Wege importiert, sodass weder Engpässe noch sprunghafte Preisschwankungen zu erwarten sind.

Trotzdem ist der Preis für den fossilen Brennstoff alles andere als stabil. Dies kann Vor- und Nachteil zugleich sein: Wer frühzeitig plant und das Heizöl zu einem günstigen Zeitpunkt kauft, kann eine Menge Geld sparen. Mittlerweile ist dafür sogar ein Ratenkauf möglich, sodass der Käufer nicht den gesamten Betrag auf einmal stemmen muss. Wer einen solchen günstigen Zeitpunkt allerdings verpasst, der muss sein Heizöl unter Umständen zu überteuerten Preisen einkaufen und fährt damit deutlich kostenintensiver als mit einer Gasheizung. Abseits dieser Besonderheit, welche also einige Konsumenten als Vorteil ansehen und andere als Nachteil, bringt die Ölheizung auch noch eindeutigere Argument mit sich:

  • Durch den Import von Heizöl aus mehr als 30 Ländern ist das Risiko von Versorgungsengpässen äußerst gering.
  • Die Vielzahl an Anbietern sorgt für einen stetigen Preiskampf, der in regelmäßigen Abständen zu sehr niedrigen Preisen für Heizöl führt.
  • Die Belieferung mit Heizöl ist in Notfällen normalerweise auch kurzfristig möglich – allerdings dann natürlich unter Umständen zu höheren Preisen.
  • Der Tank kann frei nach Belieben wieder aufgefüllt werden, wenn also eben gerade günstige Preise herrschen. Die Ölheizung bietet dadurch eine Menge Flexibilität, vor allem finanzieller Art.
  • Obwohl der Trend weg von fossilen Brennstoffen geht, gilt die Ölheizung als vergleichsweise umweltfreundlich. Dies liegt in ihrem geringeren Verbrauch gegenüber einer Gasheizung oder anderen Heizungsarten begründet.
  • Für diese Lieferung gibt es keine feste Bindung an Lieferverträge. Jeder Käufer kann also selbst entscheiden, wer ihn beliefern soll und in welchem Umfang. Bei jeder erneuten Lieferung kann er auch wieder frei wählen. Somit lohnt es sich, verschiedene Angebote einzuholen. Damit lässt sich unter Umständen eine Menge Geld sparen.

Die Ölheizung bringt also vor allem finanzielle Vorteile mit sich. Bestmöglich ausgenutzt werden können diese aber nur durch eine moderne Ölheizung mit einem sogenannten Öl-Brennwertkessel. In Gebäuden mit alter Ölheizung stellt sich also nicht nur die Frage, ob diese durch eine Gasheizung ersetzt werden sollte, sondern unter Umständen ist der Einbau einer neuen Ölheizung die sinnvollere Entscheidung. Denn ein neues System verbraucht bis zu 30 Prozent weniger Öl als die alten Nachkriegsmodelle. Somit amortisiert sich die Investition in die Modernisierung im Regelfall schon nach wenigen Jahren. Trotzdem hat natürlich auch die Ölheizung nicht nur Vorteile. Welche also sind die Nachteile?

  • Wie bereits erwähnt, geht der Trend weg von fossilen Brennstoffen. Mittlerweile gibt es nämlich noch umweltfreundlichere Alternativen wie das (teilweise) Heizen mit Solaranlagen.
  • Weiterhin benötigt der Kessel der Ölheizung eine Menge Platz im Keller. Wird hingegen ein kleinerer Kessel gewählt, muss dieser häufiger nachgefüllt werden. Das bedeutet mehr Aufwand sowie weniger Möglichkeiten, günstige Zeitpunkte zum Kauf von Heizöl zu nutzen.
  • Da Heizöl eine endliche Ressource ist, befürchten Experten auf Dauer steigende Preise.

Die Frage, ob es nicht besser sei, lieber frühzeitig auf eine Alternative wie die Gasheizung umzurüsten, hat also durchaus ihre Daseinsberechtigung.

Was spricht für die Umrüstung auf eine Gasheizung?

Auch die Gasheizung bringt allerhand Vorteile mit sich, sodass die Entscheidung keinesfalls einfach ist. Dass so viele Menschen mittlerweile von anderen Modellen, vorrangig aber von der Ölheizung, auf eine Gasheizung umrüsten, hat folgende Gründe:

  • Die Technik dieser Heizungsart gilt als sehr zuverlässig.
  • Auch bei der Gasheizung kann zur Reduktion des Verbrauchs mittlerweile die Brennwerttechnik genutzt werden.
  • Dennoch benötigt die Gasheizung deutlich weniger Platz und ist somit vor allem für Gebäude mit Platzmangel oder jene, bei welchen kein Erdtank möglich ist, gut geeignet.
  • Weiterhin spart sich der Eigentümer den Aufwand, regelmäßig Brennstoff nachfüllen zu müssen. Angebote einholen, Lieferungen bestellen sowie überwachen, Preisschwankungen im Blick behalten – das kann bei einer Ölheizung zwar große Ersparnisse bedeuten, aber auch eine Menge Aufwand. Bei der Gasheizung ist das hingegen nicht notwendig.
  • Das Gas verursacht bei der Verbrennung deutlich weniger Schadstoffe als Öl und gilt somit als umweltfreundliche Alternative. Dennoch sei an dieser Stelle gesagt, dass auch die Gasheizung in dieser Hinsicht nicht mit Solaranlagen mithalten kann.
  • Gas ist zwar ebenfalls eine endliche Ressource, jedoch sind die Vorräte noch lange nicht aufgebraucht, sodass vorerst keine drastischen Preisanstiege zu erwarten sind.
  • Bei Bedarf kann die Gasheizung auch zur Warmwasserbereitung genutzt werden.

Heizungsanlage in einem Keller

Zuletzt gilt die Gasheizung in der Anschaffung als günstig. Dieser dürfte der Hauptgrund sein, weshalb sich viele Eigentümer für die Umrüstung auf eine neue Gasheizungsanlage entscheiden. Zudem können hierbei zahlreiche Fördermittel in Anspruch genommen werden, beispielsweise Zuschüsse der KfW. Die Gegenargumente sind hingegen gering: Einerseits bedarf es im Haus einen Gasanschluss. Existiert kein solcher, so muss dieser neu verlegt werden, was nicht überall möglich ist und natürlich zusätzliche Kosten verursacht. Zudem stehen für die Erdgaslieferung deutlich weniger Importländer zur Verfügung, was eine größere Abhängigkeit und somit auch ein höheres Risiko von Preissteigerungen oder Versorgungsengpässen nach sich zieht. Steigert also die Umrüstung auf eine Gasheizung den Wert der Immobilie oder nicht?

Fazit

Prinzipiell ist es die Modernisierung der Heizungsanlage selbst, welche die Immobilie aufwertet und deshalb im Regelfall durchaus sinnvoll ist. Dabei ist es aber nicht pauschal die richtige Lösung, auf eine Gasheizung umzurüsten. Sie stellt zwar gegenüber dem Heizen mit Strom wie beispielsweise durch einen Nachtspeicherofen sowie mit Holz die günstigere und umweltfreundlichere Alternative dar. Wenn es jedoch um die Frage geht, ob nun Öl oder Gas besser sei, so bleibt es bei dem Kopf-an-Kopf-Rennen. Wem die Finanzen wichtiger sind, der setzt lieber auf Öl und modernisiert seine bestehende Anlage. Wer hingegen so wenig Aufwand wie möglich haben möchte, trifft mit der Gasheizung die bessere Wahl. Noch sinnvoller allerdings wäre die Überlegung, ganz wegzugehen von fossilen Brennstoffen und sich bezüglich moderner Alternativen wie der Solaranlage zu informieren. Im Zuge der „Smart Homes“ scheint die Zukunft nämlich weder in der Öl- noch in der Gasheizung zu liegen.

Dieser Artikel entstand in Kooperation mit der externen Redakteurin Franziska Scherer.

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Veröffentlicht am: 31.01.2019 | Autor: Rike Niemann

4 Kommentare zu “Pro und Contra: Immobilie aufwerten durch Umrüstung auf eine Gasheizung?
  1. Mailin Dautel sagt:

    Wir haben eine Ölheizung und haben uns überlegt, ob das Umrüsten für uns infrage kommen würde. Unser Keller ist recht klein und den wollen wir umbauen um mehr Platz schaffen zu können. Eine kleinere Heizung würde da sehr vorteilhaft sein, denn so können wir den Heizungsraum etwas verkleinern.

  2. Larissa Behrmann sagt:

    Vielen dank für die Hilfe bei meiner Entscheidung zu einer Gas- oder Ölheizung. Besonders gut hat mit der Tipp gefallen, dass die Gasheizung deutlich weniger Aufwand braucht. Das hat mich überzeugt und ich werde meinen Gasinstallateur anrufen.

  3. Manuel Löhrmann sagt:

    Gut zu wissen, dass eine gute Heizung den Wert der Immobilie steigert. Ich will bald meine Wohnung verkaufen und suche einen Immobilienmakler. Ihre Tipps helfen aber auch schon sehr, vielen Dank!

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